30.04.2017
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Chronikauszug des Jahres 1916

Die folgenden Blätter stellen einen Auszug aus der Boker Chronik des Jahres 1916 dar.
Bei der Übertragung der Originalschriften in die heutige Druckschrift wurde die Struktur der Chronik möglichst beibehalten.
Eine Seite des handschriftlichen Originals entspricht somit auch einer Seite in der Übertragung.
Auch die Interpunktion und die Orthographie des Originals wurde ohne Korrektur übernommen.
Was so alles in dem Jahr 1916 passierte, können Sie in dem folgenden Chronikauszug nachlesen.
Nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs wird in der Chronik des Jahres 1916 auch
den Ereignissen dieses Weltkriegs eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Auch in dem Lippedorf Boke sind die Auswirkungen des Krieges zu spüren;
es gibt Verwundete und es sind Kriegstote zu beklagen.



 [266]

Jahr 1916.

Auch der Anfang des Jahres 1916 steht noch un=
ter dem Zeichen des großen Weltkrieges. Das
Ende desselben läßt sich auch jetzt noch nicht absehen,
und scheint es, daß derselbe noch mit erbitterder
Schärfe weiter geführt wird. Immer noch ein
Glück, daß die Kämpfe sowohl im Osten, als
auch im Westen auf feindlichen Boden geführt
werden. Nur tausende Gefangene sind im
Lande. – Anfangs Januar war eine mildem
Te[m]paratur. Am 3 Januar kam von Westen her
ein schweres Gewitter mit Sturm und Regen.
Der Regen hielt mehrere Tage an, so daß am
12 Jan. die Lippe aus ihren Ufern trat. Im
Jan. hat der Artillerist Martin Klaus aus
Heitwinkel auf dem östlichen Kriegsschau=
platze das eiserne Kreuz II Klasse erhalten.
Am 23. Jan. wurde dem Arbeiter Hermann
Falkenrich auf Beinen Hofe beim Hecksel=
schneiden die rechte Hand abgeschnitten. In
den ersten Tagen des Februar regnerisch. Am
16 Febr. nachmittags ein wütender Sturm mit
wolkenbruchartigen Regen; viele Dächer wur=
den teils abgedeckt, Nach einigen Tagen Re=
gentagen Austritt der Lippe. –
Am 18. Febr. ist der Musketier Bernhard Hahne
zu Barbruch bei La Bassee gefallen. Ende des
Mts. mehrere Tage Schneefall.
Der Monat März hatte vorherschend trockene
Witterung, sogar mehrere sehr warme Tage.


[267]

Für März ist besonders zu bemerken, die hohen Schweinepreise.
Sechswochen alte Ferkel kosteten pro Stück 50 bis 75 Mark. Am
1. April ist die Nachricht eingetroffen, daß der Wehrmann
Wilhelm
Wiemeier am 28 Sept.1915 auf dem westlichen Kriegsschau=
platze verwundet und in französischer Gefangenschaft gestor=
ben war. Das Wetter war im April meist hell und trocken.
Die Obstbäume kamen zur Blüte und versprache eine
reiche Ernte. Im Mai war die Witterung für die
Landwirtschaft besonders günstig. Die Früchte d entwickel=
ten sich zusehend und die Wiesen und Weiden zeichten
einen reichen Graswuchs. Am 17. Mai ist der
Gardist Heinrich Nolte zu Heitwinkel vor Verdun
durch eine Granate gefallen. Ende Mai und den
ganzen Monat Juni meist Regentage. Die Heu=
ernte auf den Kanalwiesen hat vielfach sehr
gelitten. Der Graswuchs war sehr stark, ebenso auch
auf den Lippewiesen. – Am 10. Juni ist der Lehrer
Unteroffizier Joseph Sarrazin vor Verdun durch
eine Granate getroffen, gefallen und sofort ge=
storben Er war als Lehrer in Ahaus Regb. Mün=
ster angestellt. – Juni bis zu Ende regnerisch.
Zum Pflanzenlegen gutes Wetter.
Im Juli meist. Regentage. Vom 23 bis Ende in etwa
Heu= und Erntewetter. Ende des Mts. begann die
Roggen und Weizenernte. Anfangs August gutes
Wetter und so konnte der Roggen und Weizen trocken
eingefahren werden. Die Erträge waren befriedi=
gend. Die Haferernte war gut. Am 29. August
Abends von Westen nach Osten ziehend ein unge=
wöhnliches Wetterleuchten. Am 15. August ist der
Musketier August Kroos an der Somme in
Frankreich durch einen Granatschuß gefallen. Am
19 August ist der Kaufmann Ignatz Leiwesmeier bei




[268]

Luck in Ruhsland durch Kopfschuß gefallen. Ebenfalls
der Landsturmmann Johannes Nolte in Ruhsland durch
Kopfschuß gefallen. Anfangs September gutes Wetter,
besonders gut für die Grummeternte. Auch die Kar=
toffelner[n]te, welche Ende September anfing, ging gut von
statten. Leider war das Ergebnis sehr wenig, kaum der
                                                    besonders
vierte Teil vom Jahre 1915. Äpfel und | Pflaumen liefer=
ten ein ganz reichlichen Ertrag. Im Oktober war
das Wetter recht unbeständig. Am 19 und 20 d. Mts. schon
starker Frost. Im November stets veränderliches Wet=
                 Dezember
ter. Vom 23 – 24 | Sturmwind, wodurch viele Dächer ge=
litten haben; ebenso vom 25 – 26 sind viele Dächer ab=
gedeckt. Sonst im Dezember gelindes Wetter.
Bis Ende dieses Jahres waren aus hiesiger Ge=
meinde 191 Personen zum Heeresdienste ein=
gezogen. Von diesen sind 21 gefallen, davon in
diesem Jahre 6. Wiemeier, der im vorigen Jahre als
vermißt gemeldet, ist auch gefallen. Außer Schnie=
dermeier ist in diesem Jahre noch vermißt Bernhard
Fehige. Drei Soldaten sind in Gefangenschaft. Wüschen
in England, Henkemeier in Frankreich und
Brockmann in Ruhsland.
Die am 1. Dezember erfolgte Volks= und Viehzählung
hatte folgendes Ergebnis. Volkszählung: 470
männliche und 532 weibliche in Sa. 1002 Personen.
An Vieh wurde gezählt: 92 Pferde 872 Stück
Rindvieh, 614 Schafe, 799 Schweine, 26 Ziegen
und 2535 Stück Federvieh.
Der Gemeinde=Haushaltungsplan war in Einnahme
und Ausgabe 19400 Mark. 350 % der Gemeindesteuer
In diesem Jahre sind 16 Geburten 7 männliche 9
7 weibliche210 keine Sterbefälle und keine Trauungen vorgekommen.

__________________________
210 Die Angaben zu den Geburtenzahlen sind an dieser Stelle widersprüchlich.


[269]

Der Ernteausfall ist, wie schon einzeln ausgeführt, außer
Kartoffeln, befriedigt gewesen. Die Hackfrüchte, als Runkeln,
Steckrüben und Wurzeln lieferten einen reichlichen Ertrag.
Durch die dauernde Abwesenheit der vielen Einberufe=
nen war der Arbeitermangel in der Gemeinde sehr oft
recht fühlbar.
Die Martini Markt und Fruchtpreise stellten sich
für den Zentner wie folgt:

Weizen           .....       14,50 Mark
Roggen          .....       11,25 „
Gerste            .....       12,00 „
Hafer              .....       15,00 „       
Kartoffeln       .....         4,00 „
Steckrüben   .....          3,75 „
Wurzeln         .....          4,00 „

Der Gemeinde-Vertretung wurde der Inhalt der
Chronik mitgeteilt und zur Unterschrift vorgelegt.

Boke, den 5. Januar 1917.

Der Vorsteher:                  Die Gemeindevertretung:
J.W.                                    Leiwesmeier   Schäfermeyer
Kiffe                                   Jostmeier.    Troja
                                           Pottmeier


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